Camerone 2004

Die Camerone-Feier des Vereins A.A.F.Ö. fand am 30. April 2004, 17.00 Uhr, im Restaurant Eberhardt, Sparkassaplatz 1, 1150 Wien mit 42 Teilnehmern statt.

Präsident Josef BICHLER

begrüßte die Ehrengäste, die Legionskameraden, Freunde und Frauen zur 141. Camerone-Feier.

Besonders begrüßt wurden

Attaché de Défense Lt.-Col. Richard COLEMAN, der Konsul von Frankreich Raymond PRATT, der Generaldelegierte des Souvenir Français und Präsident der Anciens Combattants in Österreich M. Michel LAPIERRE, die Sekretärin der Association des Anciens Combattants Français Mme. Chantal PHELIPPEAU, der Obmann des Bundes ehemaliger Fallschirmjäger – Kameradschaft Kratzer Viktor VITALI, die Obfrau der Kameradschaft Heldendenkmal Charlotte WERDEKER, das Ehrenmitglied und Bundesordens-Referent des Ö.K.B. sowie Obmann-Stellvertreter des IR. 1 Peter FRITZ, der Ordensfründer Gerhard Ritter von LUPERT, der Ehrenpräsident der A.A.F.Ö. Reg. Rat Theodor PERHAB und das Ehrenmitglied des A.A.F.Ö. Rudolf ASCHENBRENNER.

Grüße wurden übermittelt von

Ehrenmitglied Karl VIGL aus Tirol und Kamerad Franz KOPEINIG aus Stuttgart.

Entschuldigt haben sich

General Josef POLLHAMMER und das Ehrenmitglied Frau Gertraude KVARDA.

Grußworte erfolgten vom

Obmann des Bundes ehemaliger Fallschirmjäger – Kameradschaft Kratzer Viktor VITALI. Dabei gedachte er auch des verstorbenen Präsidenten des Legionsvereins Robert KVARDA.

Festansprache des Ehrenpräsidenten Theodor PERHAB

Geehrte Ehrengäste, liebe Kameraden und Freunde, es ist uns eine besondere Freude, dass Sie am Ehrentag der Fremdenlegion teilnehmen.

Andere Armeen feiern ihren Sieg in großen Schlachten – die Legion dagegen hat das Gefecht vom 30. April 1863 im kleinen mexikanischen Dorf Camerone – wo 65 Legionäre gegen 2 000 Mexikaner kämpften – zum ehrentag bestimmt. Damit wurde ein Symbol für den kämpferischen Geist der Soldaten der Fremdenlegion gesetzt.

Die Legion kennt keine Nationalität. Der Legionär lebt und kämpft nach den Regeln des Kriegsvölkerrechts und den Genfer Abkommen.

Über das Gefecht von Camerone ist oft berichtet worden, ebenso über den heroischen Widerstand der Legionäre. Deshalb erlaube ich mir, die historische Ereignisse in Kurzform vorzutragen.

Mexiko war einst eine Kolonie Spaniens. Auf dem spanischen Thron saßen zuerst die Habsburger und dann die Bourbonen. Nach der Besetzung Spaniens durch die Truppen Napoleons 1808 erhob sich die Bevölkerung in Mexiko gegen die Fremdherrschaft.

Im mexikanischen Bürgerkrieg ging 1857 Benito Juárez Gracia als Sieger hervor. Spanien, England und Frankreich versuchten nun, die lateinamerikanische Bevölkerung unter französischer Führung zu vereinigen.

Mit Unterstützung des Klerus setzte der französische Kaiser Napoleon III. die Proklamation von Erzherzog Maximilian von Österreich – dem jüngsten Bruder des österreichischen Kaisers Franz Joseph – zum Kaiser von Mexiko durch. An die 2 000 Fremdenlegionäre wurden mit der „Wagram“ und der „Saint Louis“ zur Unterstützung Kaiser Maximilians nach Mexiko verschifft.

Von der Küste Mexikos bewegte sich die Kolonne der Fremdenlegionäre durch den Dschungel, zum 1 600 m hoch gelegenen Plateau hinauf. Insgesamt führten die Legionäre 23 Geschütze und vier Millionen Franc in Gold mit. Immer wieder stießen sie auf die gefährlichen Kämpfer des Benito Juárez.

Am 29. April 1863 erhielt Capitain Danjou den Auftrag, die Straße mit 64 Legionären zu erkunden und den Aufmarsch der mexikanischen Bataillone unter Führung von Colonel Milan zu beobachten.

Im Morgengrauen des 30. April erreichten die Legionäre einem kleinen Bach bei Camerone, wo sie begannen ihr Frühstück zuzubereiten.

● 07.10 Uhr gab ein Wachposten Alarm. In weniger als zwei Minuten waren die Legionäre kampfbereit. Wegen des ungünstigen Geländes befahl Capitain Danjou den Rückzug ins Dorf Camerone.

● 09.00 Uhr führte der mexikanische Colonel Milan den ersten Großangriff durch. Erst als die Mexikaner bis auf 30 m herangekommen waren, eröffneten die Legionäre das Feuer. Die erste Angriffswelle brach sofort zusammen, ebenso sie zweite Welle. Bei den Mexikanern waren 70 Mann gefallen, bei den Legionären keiner.

● 13.00 Uhr griffen die Mexikaner mit Artillerieunterstützung erneut an. Die Legionäre zogen sich in eine verfallene Hacienda zurück.

● 15.00 Uhr fiel Capitain Danjou. Im Corral häuften sich die Leichen.

● 16.00 Uhr erfolgte eine 1 000 Mann starke Angriffswelle, und die Legionäre zogen sich auf die Nordmauer zurück.

● 18.00 Uhr stemmten sich nur noch zwölf Legionäre gegen den Ansturm. die letzten sieben Legionäre wurden in einen Schuppen zurückgedrängt. Fast eine ganze Stunde dauerte dieses letzte Gefecht.

● Als keine Munition mehr vorhanden war, liefen die letzten drei Legionäre mit aufgepflanztem Bajonett aus dem Schatten der Mauer heraus. Der mexikanische Colonel Milan achtete den Kampfgeist der Legionäre und die drei Überlebenden gingen mit ihren Waffen in Gefangenschaft.

Die Legion blieb bis zur Hinrichtung Kaiser Maximilians in Mexiko. Insgesamt führte sie dort insgesamt 69 Gefechte und 192 Scharmützel.

Der kämpferische Geist der Legion blieb bis in die Neuzeit erhalten. Im Mai 2004 jährt sich das Ende der Kämpfe um Dien-Bien-Phu. Als letzte noch kämpfende Einheit vesuchten die Überlebenden des 3. REI in der Nacht vom 7. zum 8. Mai 1954 den Ausbruch aus dem Stützpunkt Isabelle. Bereits drei Kilometer weiter brach der Sturmlauf der Legionäre unter dem Maschinengewehrfeuer der Vietminh zusammen. Nur wenigen gelang es, im Dschungel unterzutauchen, unter ihnen unser Kamerad Reischl, der sich bis Laos durchschlagen konnte.

Wenig bekannt ist die Eroberung Langsons durch die Vietminh im Jahre 1950. In der Chronik der Fremdenlegioin ist darüber unter anderem folgendes zu lesen:

8. 10. 1950 – Das 1. BEP ist in Cao-Bang umzingelt und vernichtet. Verlust 21 Offiziere, 40 Unteroffiziere und 420 Legionäre.

10. 10. 1950 – 3 Offiziere, 3 Unteroffiziere und 23 Legionäre vom 1. BEP treffen in That-Khe ein.

Ebenso große Verluste hatten das 3. REI und das 2. Bataillon des 5. REI zu verzeichnen.

Damit will ich meine Ansprache beenden und wünsche allen Kameraden der Soldaten- und Traditionsvereine noch einen gemütlichen Abend unter Legionären.

Michel LAPIERRRE, Generaldelegierter des Souvenir Français und Präsident der Anciens Combattants stellte die Frage: Warum hat man nicht Magenta, Solferino, Verdun oder Dien-Bien-Phu als Tag der Legion gewählt? – Weil in Camerone die Legionäre durch ihr Opfer den ihnen befohlenen Auftrag bis zum letzten erfüllt haben. Die Nachschubkolonne war dadurch gerettet.

Ein Denkmal wurde auf dem Schlachtfeld von Camerone errichtet auf dem zu lesen ist:

Sie standen hier, weniger als 60 Mann.

Einer ganzen Armee gegenüber,

deren Übermacht zermalmte sie.

Eher als der Mut verließ das Leben

diese Männer der Legion.

Camerone 30. April 1863

Seit dieser Zeit präsentieren mexikanische Soldaten ihr Gewehr, wenn sie an diesem Denkmal vorbeikommen.

Lieutenant-Colonel Richard COLEMAN

fand als ehemaliger Capitain im 1. REC besonders verbindliche Worte für die Legionäre. In seiner Rede schloss er auch die Vertreter der Soldaten- und Traditionsvereine mit ein.

Totenehrung

erfolgte durch Präsident BICHLER. Er würdigte all unsere verstorbenen und gefallenen Kameraden. Am Dienstag, dem 27. April 2004 fand in Anwesenheit von Präsident BICHLER eine Seelenmesse in der Militär-Pfarre für unseren Kameraden Robert KVARDA statt.

Zum „vin d’honneur“

wurde letztlich von Präsident BICHLER eingeladen, worauf die Camerone-Feier mit einem gemütlichen Beisammensein ihren Ausklang fand.

Ceremonie du Souvenir 2004

Die Delegation du Souvenier Français und die Association des Anciens Combattants en Autriche hatten für Freitag, dem 7. Mai 2004 zu einer Gedenkfeier an die Gefallenen der Kriege auf den Wiener Zentralfriedhof, Carré Français, eingeladen.

Unser Verein nahm mit Fahne teil und legte einen Kranz nieder. Es waren auch Vertreter des Kameradschaftsbundes und der österreichischen Traditionsvereine anwesend.

Seine Exzellenz Monsieur Alain CATTA, Botschafter von Frankreich zu Wien, verwies besonders darauf, dass sich heuer das Ende der Kämpfe um Dien-Bien-Phu zum fünzigsten Mal jährt. Seine Exzellenz fand würdige Worte für die ehemaligen Kämpfer und hob das Gemeinsame der französischen und österreichischen Soldaten hervor.

Präsident Michel LAPPIERE

hob in seiner Festrede die Leiden und Hoffnungen der Völker 1914–145 und 1954 hervor.

Lieutenant-Colonel COLEMAN

lud schließlich die Anwesenden der Soldaten- und Traditionsvereine zu einem „vin d’ honneur“ ins Restaurant „Schutzhaus Koll“, Simmeringer Hauptstraße 289 ein.

Der Schriftführer

Walter PAMPERL m.p.

Der Präsident

Josef BICHLER m.p.