Geheimnis um Tote auf dem Marchfeld

In. Georg FROHNER, ein Hobbyarchäologe, war im Frühjahr 2004 auf der Suche nach Überresten einer keltischen Siedlung oder einer Kreisgrabenanlage. Anstelle von Kultgegenständen fand er bei Obersiebenbrunn allerdings Skelettknochen und schädel. Er schaltete die Behörden ein, um die gefundenen Toten allenfalls einer zeitlichen Epoche zuordnen zu können.

Das Geheimnis der Toten von Obersiebenbrunn konnte dank der präzisen Arbeit der Herren LITTMANN von der deutschen Kriegsgräberfür-sorge, Verteidigungsattaché Lt.-Col. COLEMAN und OUVRAD von der „Souvenir Napoléonien“ aufgeklärt werden. Man fand bei einem der Toten nämlich eine Uniformjacke mit fünf Messingknöpfen, welche die Zahl 64 trugen. Somit war der Beweis erbracht, dass es sich bei dem Toten um einen französischen Soldaten des Linieninfanterie-Regiments 64 handeln musste: Ing. FROHNER hatte zwar keine keltische Kreisgrabenanlage, dafür aber ein Massengrab entdeckt, in dem die bei der Schlacht zu Wagram gefallenen sowie die im Militärlazarett im Schloss Prinz Eugens in Obersiebenbrunn verstorbenen Soldaten ihre letzte Ruhe gefunden hatten.

Der Generaldelegierte des „Souvenir Français“ in Österreich, M. Michel LAPIERRE, verständigte Paris. Es wurde der Beschluss gefasst, über dem Massengrab ein Denkmal zu errichten.

Der Bürgermeister von Obersiebenbrunn, Josef SLAVIK, veranlasste, dass das Unterholz über dem Massengrab entfernt wurde. Dann ließ er einen Weg zum Denkmal anlegen und eine Gedenktafel mit der Aufschrift „Franzosen-Friedhof 1809“ errichten.

Die Beisetzung der sterblichen Überreste und die Eröffnung der Gedenkstätte „Franzosen-Friedhof 1809“ erfolgte am 22. September 2004 unter der Patronanz des französischen Botschafters M. Alain CATTA. Die letzte Ruhestätte für die freigelegten Skelette bewachten zwei Soldaten des öster-reichischen Bundesheeres. Der Präsident der A.A.F.Ö. Josef BICHLER veranlasste, dass die ehemaligen Legionäre Johann HAGER und

Anton WEINHENGST mit den Fahnen der „Souvenir Français“, der „Anciens Combattants“ sowie jener der A.A.F.Ö. den Gefallenen von 1809 die letzte Ehre erwiesen.

Der Festakt wurde musikalisch durch die niederösterreichische Militärkapelle und die Kinder der Volksschule Obersiebenbrunn untermalt. An diesem Tag wurden zwei Nationen, die lange immer wieder gegeneinander Krieg geführt hatten, vereint.