Verabschiedung des Konsuls Raymond PRATT am französischen Nationalfeiertag

Wer immer mit einem Anliegen in das französische Konsulat in Wien, Wipplinger Straße 24–24 kam, fand bei Konsul Raymond PRATT immer ein offenes Ohr. Viele österreichische Staatsbürger haben gemäß des Abkommens vom 28. Mai 1971 zwischen der Republik Österreich und der Französischen Republik über die „Soziale Sicherheit“ (BGBl. Nr.283/1972 in der Fassung BGBl. Nr.515/ 1983) unter anderem Anspruch auf eine Pension in Frankreich. Da nicht alle der französischen Sprache mächtig sind und über Behördenwege kaum Bescheid wissen, fanden sie im Konsulat jederzeit Unterstützung.

Herr Konsul PRATT unterstützte besonders die ehemaligen Fremdenlegionäre. Er war bei jeder Feier des Vereins A.A.F.Ö. anwesend. Er war außerdem auch darauf bedacht, dass jene Legionäre, die im Besitz der „Carte du Combattant“ sind, pünktlich eine zusätzliche Geldüberweisung jährlich im Juni und im Dezember erhalten.

Der Generaldelegierte der „Souvenir Français“ in Östereich, M. Michel LAPIERRE, Träger des goldenen Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik Österreich, die ihm über Antrag der Internationalen österreichischen Reservisten-Gemeinschaft verliehen wurde ermöglichte, dass ehemalige Legionäre mit ihren Frauen erstmals zu den Feierlichkeiten am französischen Nationalfeiertag am 14. Juli eingeladen wurden. Die Feier fand im Park des Lycee Français auf der Währingerstraße statt. Der französische Botschafter Alain CATTA ehrte und verabschiedete Herrn Raymond PRATT in würdiger Form.

Der Präsident des Vereins A.A.F.Ö. Josef BICHLER dankte Konsul PRATT für sein soziales Wirken und überreichte ihm zum Abschied im Namen der ehemaligen Legionäre einen Bildband über Wien.

Die Festrede des Herrn Botschafters edrinnerte an den Sturm auf die Bastille am 14. Juzli 1789, insbesondere an die damals revolutionäre Forderung über die Einführung der allgemeinen Menschen- und Bürgerrechte: „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“.

Im Anschluss wurden in etwa 35 Zelten mit erlesenen Köstlichkeiten und Getränken für das leibliche Wohl gesorgt.

Mit der großen Revolution von 1789 und dem kulturellen Signum durch die industrielle Entwicklung, der Technik („Maschinenzeitalter“) begann eine neue Geschichtsperiode, die Geschichte der neuesten Zeit. Die großen Erfindungen der Dampfmaschine durch James Watt (1769) und der Dampflokomotive durch George Stephenson (1814) haben die Welt durch Eisenbahn und Dampfschiff gleichsam „kleiner“ gemacht. Es begann die Zeit der Fabriksindustrie, die Maschineverdrängte den Arbeiter. Es kam dadurch zu einer sozialen Umgestaltung der Gesellschaft. Die „soziale Frage“ im modernen Sinn tauchte auf.

In diesem Zusammenhang möchte ich in Erinnerung rufen, dass der österreichische Kaiser Josef II. (1780–1790) mit seinen Reformen einer Revolution zuvor kam. Die wichtigsten josefinischen Reformen waren: Aufhebung der Leibeigenschaft (1782), Beseitigung des Zunftzwangs (Gewerbefreiheit) und das Toleranzpatent für Evangelische und Griechisch-Orthodoxe (1781), die bürgerliche Emanzipation der Juden sowie die Aufhebung der Zensur. Großes Aufsehen erregten seine kirchlichen Reformen, die er allerdings noch vor seinem Tode zurücknehmen musste.

In Frankreich dagegen beschleunigte der despotische höfische Absolutismus unter Ludwig

XVI. (1715–1774) die Katastrophe („Aprés nous déluge“).

Ludwig XVI. (1774–1792) war mit Erzherzogin Maria Antoinette, der Tochter Maria Theresias, vermählt. Eine Sanierung der Staatsfinanzen unter Turgots scheiterte. Die französische Beteiligung am nordamerikanischen Unabhängigkeitskrieg beschleunigte den Ausbruch der Krise durch das Eindringen liberaler Ideen. Den letzten Anstoß zum Ausbruch der Revolution gab die Einberufung der Generalstände (états généraux) 1789 wegen des drohenden Staatsbankrotts.

Noch bestand in der Nationalversammlung eine gemäßigte königstreue Richtung: Lafayette, der Kommandant derNationalgarde, Baily, der Bürgermeister von Paris, Graf Mirabeau, der geistige Führer des Bürgertums. Durch den Sturm auf die Bastille am 14. Juli 1789 trat neben dem Königtum und der Nationalsversammlung auch das Volk von Paris als bestimmender Faktor der Revolution.

Die sozialen Veränderungen nach der Revolution waren: die Beseitigung des Adels als Stand, die Beseitigung der Feudallasten (Leibeigenschaft, Frondienste), Beseitigung der Zunftprivilegien. In der neuen bürgerlichen Gesellschaft herrschten also Arbeitsfreiheit und Rechtsgleichheit.

Die Sonderrechte der Provinzen wurden beseitigt, die Binnenmauten (Zollschranken im Lande selbst) wurden aufgehoben. Die alte historische Landeinteilung der Provinzen wurde durch eine geographische in 83 Departements ersetzt. Es kam auch zur Vereinheitlichung im Gerichtswesen, im Recht, in den Maßeinheiten, bei Münzen und Gewichten. Besonders bedeutsam war die Förderung des Zusammengehörigkeitsgefühls der Franzosen durch die Revolution.

Schließlich wurde der Tag des Sturms auf die Bastille am 14. Juli zum französischen Nationalfeiertag erklärt. Die revolutionäre Forderung von damals sind noch nicht vergessen, sie leben bis heute fort: „liberté, fraternité, egalité“.

Präsident des A.A.F.Ö. Ehrenpräsident des A.A.F.Ö. Josef BICHLER m.p. Reg.Rat Theodor PERHAB m.p.